Was versteht der Gesetzgeber unter Pflegebedürftigkeit?

Pflegebedürftig sind gemäß §14 Abs.1 SGB XI Personen, die wegen,

  • einer vorliegenden körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung
  • für die gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens auf Dauer 
    mindestens aber für sechs Monate, in erheblichem oder höherem Maße der Hilfe bedürfen (§14 SGB XI)

Wird nur eine der drei Voraussetzungen nicht erfüllt, wird keine Pflegestufe genehmigt. 
 
Definition der Krankheit oder Behinderung des SGB XI

  • Verluste, Lähmungen oder andere Funktionsstörungen an Sitz- und Bewegungsapparat
  • Funktionsstörungen der inneren Organe oder der Sinnesorgane
  • Störungen des Zentralennervensystems wie Antriebs-, Gedächtnis- oder Orientierungsstörungen sowie endogene Psychosen, Neurosen oder geistige Behinderungen


Definition der Verrichtungen des SGB XI

Die gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens aus den vierBereichen

  • Körperpflege
  • Ernährung
  • Mobilität
  • und hauswirtschaftliche Versorgung

werden in 21 Einzelverrichtungen unterteilt.

Gewöhnliche und regelmäßig wiederkehrende Verrichtungen sind:

  • Im Bereich der Körperpflege - nachfolgend Grundpflege genannt - , das Waschen, Duschen, Baden, die Zahnpflege, das Kämmen, Rasieren, die Darm- und Blasenentleerung
  • Im Bereich der Ernährung das mundgerechte Zubereiten oder die Aufnahme der Nahrung
  • Im Bereich der Mobilität das selbstständige Aufstehen und Zu-Bett-Gehen, An- und Auskleiden, Gehen, Stehen, Treppensteigen oder das Verlassen und Wiederaufsuchen der Wohnung
  • Im Bereich der hauswirtschaftlichen Versorgung das Einkaufen, das Kochen, die Reinigung der Wohnung, Spülen, Wechseln und Waschen der Wäsche und der Kleidung


Was versteht man unter Hilfebedarf?

Der Hilfebedarf ist der zeitliche Pflegeaufwand, wie viele Minuten täglich ein Pflegebedürftiger pflegerische Hilfe benötigt. Die Höhe der Leistungen (Pflegegeld oder Pflegesachleistung)  die ein Pflegebedürftiger von der Pflegekasse erhält, ist abhängig von diesem zeitlichem Pflegeaufwand.

Der Hilfebedarf erfolgt unter anderem in Form der

  • Anleitung
  • Beaufsichtigung
  • Unterstützung
  • in der teilweisen oder
  • vollständigen Übernahme

der Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens.

Anleitung (A)
Die Pflegeperson leitet an, erklärt den Ablauf der einzelnen Schritte, z.B. beim Anziehen. Die "Verrichtung" soll der Pflegebedürftige jedoch selbst durchführen.

Beaufsichtigung (B)
Die Pflegeperson beaufsichtigt, dass der korrekte Handlungsablauf durchgeführt wird (die Zahnbürste ist für die Mundpflege bestimmt).

Unterstützung (U)
Die Pflegeperson unterstützt den Pflegebedürftige bei Verrichtungen, die er möglichst selbstständig durchführt, damit seine Fähigkeiten erhalten bzw. gefördert werden.

Hierzu gehört z.B. das Bereitstellen einer Waschschüssel ans Bett, damit er sich dann selbst waschen kann. Dies gilt auch für Zahnpflegeutensilien oder einem elektrischem Rasierer.

Teilweise Übernahme (TÜ)
Die Pflegeperson übernimmt den Teil der Verrichtungen den der Pflegebedürftige nicht selber ausführen kann (Rücken waschen).

Vollständige Übernahme (VÜ)
Die Pflegeperson übernimmt die Verrichtungen die der Pflegebedürftige nicht selber ausführen kann (Vollständige Körperpflege).

Die Bedeutung der einzelnen Formen des Hilfebedarfs sind wichtig zu kennen, da die Pflegekassen oft ein Pflegetagebuch verlangen, in der diese Form anzukreuzen sind.